Young Professionals: Berufseinblicke & Tipps eines erfahrenen und erfolgreichen Bankers für angehende Unternehmer

Young Professionals: Berufseinblicke & Tipps eines erfahrenen und erfolgreichen Bankers für angehende Unternehmer

Ein Interview mit Udo Wendt von der Deutschen Bank

StartUps scheinen wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Gleichzeitig hat die Unternehmerszene mit Vorurteilen zu kämpfen, deren Wurzeln zu Teilen in den Geschehnissen der Vergangenheit liegen. Udo Wendt, Marktgebietsleiter im Bereich Firmenkunden der Deutschen Bank in Köln und Gründungsmitglied des Rheinischen Schaufensters, nimmt uns als erfolgreicher und erfahrener Banker mit durch seinen Berufsalltag und berichtet von seinen Erfahrungen in der langjährigen täglichen Zusammenarbeit mit Unternehmern.

Mit welcher Motivation haben Sie 1983 die Ausbildung bei der Deutschen Bank begonnen?

Nach der Schulzeit war mein Wunsch in einen Beruf hineinzugehen, in dem man täglich mit Menschen in Kontakt ist. Die Leidenschaft für das Firmenkundengeschäft, in dem ich heute tätig bin, hat sich erst mit den Jahren herauskristallisiert.

Das Schöne bei der Deutschen Bank: Ich habe während meiner beruflichen Laufbahn verschiedene Stationen durchlaufen können. So habe ich neue Aufgaben übernommen, ohne den Arbeitgeber wechseln zu müssen.

Was hat Sie nach Köln gezogen und welche Vorteile hat der Standort für Unternehmer Ihrer Meinung nach?

Vor 18 Jahren habe ich die Möglichkeit bekommen innerhalb der Bank mehr Verantwortung zu übernehmen und somit auf der Karriereleiter aufzusteigen. Gebürtig komme ich aus Aachen. Da mein Beruf Präsenz vor Ort und den permanenten Kundenkontakt erfordert, habe ich mich gegen das Pendeln und für den Umzug nach Köln entschieden.

Köln ist verkehrsgünstig angebunden. Innerhalb von einer Stunde gelangt man nach Frankfurt. Bis Stuttgart sind es zwei Stunden. Mit dem Flugzeug ist man zudem schnell in Berlin. Soweit Mobilität eine Notwendigkeit im Berufsalltag ist, weist der Standort Köln somit deutliche Vorteile auf. Aufgrund dieser Vorzüge bleiben nicht nur Kölner Unternehmer ihrem Standort treu, es zieht viele deshalb erst hier her in die Domstadt.

Welche Eigenschaften sollte ein Unternehmer mitbringen?

Eine stark ausgeprägte Neugier. Mut und ständige Bereitschaft aus der eigenen Komfortzone herauszugehen. Durchsetzungsvermögen. Leidenschaft. Unternehmer müssen für ihre eigene Idee brennen. So sehr, dass sie auch Rückschläge verkraften und trotz dieser nach vorne blicken.

Welche Aspekte Ihres Berufsalltags reizen Sie besonders?

Täglich stoße ich in meinem Beruf auf spannende Geschichten. Ich erhalte Einblicke in Geschäftsmodelle und Unternehmen. Ich sehe Produkte oder Serviceleistungen, die es teilweise erst in mehreren Jahren geben wird. Immer wieder bin ich überrascht und frage mich “Und so etwas Großartiges passiert hier in Köln?”.

Außerdem liebe ich nach wie vor meinen Beruf, vor allem: der tägliche Kontakt zu Menschen. Zu Menschen, die den deutschen Mittelstand abbilden. Oftmals erhält man den Eindruck, dass es nur in den USA ein Silicon Valley gibt. Dabei sind auch wir in Deutschland sehr gut. Wir verkaufen uns, was das angeht, viel zu sehr unter Wert. Und das erfahre ich tagtäglich.

Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen der Aktion „Schüler im Chefsessel – Unternehmer für einen Tag“ gesammelt? Welche Tipps können Sie angehenden Unternehmern mitgeben?

Die Schüler sind alle begeistert wieder nach Hause gegangen. Wie dieser Tag nachhaltig bei ihnen gewirkt hat, habe ich persönlich leider nicht mitbekommen. Daher war für mich die Wirkung zu den Unternehmern fast stärker als die zu den Schülern. Diese war ebenfalls durchweg positiv.

Da das Thema “Unternehmer sein” immer noch keinen Stellenwert hat, wie in anderen Ländern, finde ich die Aktion großartig. Sie ermöglicht einen Einblick in den realen Berufsalltag, nichts ist gestellt oder inszeniert. So können sich die Schüler ein eigenes Bild vom Unternehmertum machen und es besteht die Möglichkeit mit eventuellen Vorurteilen aufzuräumen.

Sie sind Prüfungsausschussvorsitzender an der Frankfurt School of Finance & Management. Was können Sie Schülern, die sich für den Bankbetriebswirt-Studiengang interessieren, mit auf den Weg geben?

Das Image der Bankbranche hat im Rahmen der Finanzkrise gelitten. Trotzdem ist es ein Berufszweig, der definitiv eine Zukunft hat. Natürlich ändert sich das Berufsbild aufgrund der Digitalisierung.

Wenn ich mich darauf einstelle, dass Veränderungen normal sind und ich Lust habe diese Veränderung mitzubegleiten, dann ist das ein spannender Beruf.

Ich würde heutzutage dringend empfehlen, den Weg in die Branche über spezialisierte Studiengänge zu gehen. Eine hohe Kernkompetenz ist im Zeitalter der Digitalisierung unerlässlich. Der Lernprozess als Banker endet quasi nie. Auch im Alter von 52 Jahren, wie bei mir, nicht.

Seit wann engagieren Sie sich im Rheinischen Schaufenster und was hat Sie dazu bewegt?

Ich bin ehrenamtliches Gründungsmitglied. Durch das Rheinische Schaufenster können wir aufzeigen, wie facettenreich das Unternehmertum im Rheinland ist. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit des Standortmarketings und PR für die ausgezeichneten Unternehmen.

Wenn man auf dem Kölner Markt auf unterschiedlichen Plattformen aktiv unterwegs ist, begegnen sich häufiger die dieselben Personen. Wir, die Gründungsmitglieder, vertreten gemeinsame Standpunkte und haben beschlossen, uns das Rheinische Schaufenster auf die Agenda zu schreiben.

Welche Zukunftschancen sehen Sie für das Unternehmertum im Rheinland?

Wir sind ein Ballungsgebiet, ein starker Hochschulstandort und Zuzugsgebiet. Deshalb sind die Rahmenbedingungen im Rheinland für Unternehmer optimal. Wir sind beispielsweise genau so Chemiestandort wie Automobilstandort. Wir sind genauso Dienstleistungsstandort und im Schatten großer Konzerne gibt es viele agile Familienunternehmen. Wir sind nicht von einer Branche abhängig. Und das wird sich nicht ändern. Ganz im Gegenteil. Es wird noch viel Neues entstehen. Vermarkten könnte die Region diese Stärke sicherlich noch viel besser.

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